Zehn Positionen für den Landkreis Kitzingen
Grundlage: Positionierungspapier für Stadt und Landkreis Kitzingen.
Der Landkreis soll gemeinsame Infrastruktur und Versorgung verlässlich organisieren. Gleichzeitig sollen Städte, Märkte und Gemeinden ihren örtlichen Entscheidungsspielraum behalten. Unsere Positionen verbinden gute Standortbedingungen mit nachvollziehbaren Kosten und klaren Zuständigkeiten.
1. Wirtschaft und starke Gemeinden
Warum
Unternehmen, Handwerk, Landwirtschaft und Weinbau schaffen regionale Wertschöpfung. Ihre Entwicklung hängt auch von verständlichen Verfahren, Infrastruktur und planbaren Entscheidungen ab. Wirtschaftliche Stärke und kommunale Eigenständigkeit gehören zusammen.
Wie
Der Landkreis soll als verlässlicher Ansprechpartner unterstützen und unnötige Reibung verringern. Zusammenarbeit zwischen Gemeinden ist sinnvoll, wenn sie Leistungen verbessert oder Kosten senkt. Örtliche Verantwortung bleibt der Ausgangspunkt.
Was wir konkret anstreben
1. Mittelstand und Arbeitsplätze stärken
Ziel: Unternehmen, Handwerk, Industrie, Handel, Dienstleistungen und Gründungen finden verlässliche Rahmenbedingungen.
Maßnahmen: Wirtschaftsförderung als Lotsenstelle stärken. Informationen zu Flächen und Genehmigungswegen bündeln. Fachkräfteinitiativen mit Wirtschaft und Bildungspartnern verbinden.
Zuständigkeit: Landkreis, Gemeinden und zuständige Behörden wirken mit Betrieben zusammen. Die Lotsenstelle ersetzt keine Genehmigungsbehörde.
Kosten und Abwägung: Unterstützung braucht transparente Kriterien und darf einzelne Unternehmen nicht willkürlich bevorzugen. Neue Angebote sind an Nutzen und laufendem Aufwand zu messen.
Erster Schritt: Zentrale Anliegen, Ansprechpartner und Verfahrenswege verständlich zusammenführen und wiederkehrende Hindernisse erfassen.
7. Landwirtschaft und Weinbau stärken
Ziel: Landwirtschaft, Weinbau und regionale Vermarktung behalten gute Entwicklungsmöglichkeiten.
Maßnahmen: Direktvermarktung und Kooperationen erleichtern. Wasser- und Klimaanpassung mit Betrieben behandeln. Flächennutzung planbar halten und unnötige Doppelstrukturen in Verfahren vermeiden.
Zuständigkeit: Landkreis und Gemeinden arbeiten mit Betrieben sowie Fachbehörden und Beratungsstellen zusammen. Nicht jede agrar- oder umweltrechtliche Regel wird kommunal entschieden.
Kosten und Abwägung: Wasser, Boden und Kulturlandschaft sind Grundlagen der Wertschöpfung. Umwelt- und Wasserschutz mit praktikablen Verfahren verbinden. Förderung braucht klare Kriterien.
Erster Schritt: Betriebliche Verfahrensprobleme und Anpassungsbedarf erfassen und die zuständigen Partner zusammenbringen.
10. Starke Gemeinden erhalten
Ziel: Städte, Märkte und Gemeinden bleiben eigenständig und handlungsfähig.
Maßnahmen: Gemeinsame Beschaffung, IT, Bauhöfe, Fachpersonal oder Spezialdienstleistungen freiwillig prüfen. Zusammenarbeit muss Leistungen verbessern oder Kosten senken. Zuständigkeiten bleiben verständlich.
Zuständigkeit: Gemeinden entscheiden im Rahmen ihrer Aufgaben über Kooperationen. Der Landkreis unterstützt die Abstimmung.
Kosten und Abwägung: Auch Koordination verursacht Aufwand. Einsparungen einschließlich Umstellung und Betrieb bewerten. Kleine Gemeinden müssen ihren tatsächlichen Entscheidungsspielraum behalten.
Erster Schritt: Für eine geeignete gemeinsame Aufgabe eine freiwillige Vergleichsrechnung zwischen örtlicher Erledigung und Zusammenarbeit erstellen.
2. Mobilität und öffentliche Infrastruktur
Warum
Im ländlichen Raum müssen Arbeit, Schule, Versorgung und Freizeit erreichbar bleiben. Unterschiedliche Wege brauchen unterschiedliche Lösungen. Zugleich treffen Siedlung, Gewerbe, Landwirtschaft, Natur, Rohstoffe und Energie auf begrenzte Flächen.
Wie
Verkehrsmittel sinnvoll verbinden und Angebote nach Bedarf entwickeln. Flächen- und Energieplanung früh abstimmen und Konflikte transparent behandeln. Bestehende Infrastruktur als Ausgangspunkt prüfen.
Was wir konkret anstreben
3. Mobilität vernetzt denken
Ziel: Arbeit, Bildung, Versorgung und Freizeit sind bedarfsgerecht erreichbar – auch ohne eigenes Auto.
Maßnahmen: Das Mobilitätskonzept 2030+ schrittweise umsetzen und Bus, Bahn, Straße, Rad- und Fußverkehr besser verbinden. Takte und Anschlüsse verbessern. Flexible Angebote gezielt prüfen und Verbindungen zu Würzburg, Nürnberg und Nachbarlandkreisen einbeziehen.
Zuständigkeit: Landkreis, Gemeinden, Verkehrsunternehmen und weitere Aufgabenträger handeln innerhalb ihrer Zuständigkeiten.
Kosten und Abwägung: Zusätzliche Angebote verursachen dauerhafte Betriebskosten. Nachfrage, Teilhabe und Wirtschaftlichkeit gemeinsam bewerten.
Erster Schritt: Anschluss- und Erreichbarkeitslücken erfassen und priorisierte Verbesserungen mit Kosten und Betriebskonzept prüfen.
9. Flächen und Energie verantwortungsvoll planen
Ziel: Kommunen, Unternehmen und Eigentümer erhalten mehr Planungssicherheit bei unterschiedlichen Flächenansprüchen.
Maßnahmen: Innenentwicklung und bestehende Infrastruktur früh prüfen. Erzeugung und Energienetze zusammen denken. Beteiligung soll Nutzungskonflikte früh sichtbar machen. Technologieoffenheit bleibt ein Maßstab.
Zuständigkeit: Gemeinden, Landkreis, Planungs- und Fachbehörden sowie Netzbetreiber tragen unterschiedliche Aufgaben.
Kosten und Abwägung: Erschließung, Netze, Landschaft, Umwelt und örtliche Belastungen berücksichtigen. Nicht jeder Standort eignet sich für jede Nutzung. Kommunale Wertschöpfung ersetzt keine vollständige Prüfung.
Erster Schritt: Bei größeren Vorhaben Infrastruktur, Zuständigkeiten und wesentliche Nutzungskonflikte früh gemeinsam darstellen.
3. Bildung, Gesundheit und digitale Verwaltung
Warum
Gute Bildungsbedingungen, erreichbare Gesundheitsversorgung und verständliche Verwaltungsleistungen beeinflussen den Alltag. Investitionen helfen dauerhaft, wenn auch Betrieb, Personal und Organisation funktionieren.
Wie
Bedarf und Qualität mit den Folgekosten gemeinsam betrachten. Digitalisierung soll Verfahren vereinfachen. Bildungs- und Versorgungsstrukturen müssen langfristig verlässlich sein.
Was wir konkret anstreben
4. Bildung modern aufstellen
Ziel: Schulen in Trägerschaft des Landkreises bleiben baulich und technisch leistungsfähig.
Maßnahmen: Investitionen an der Schulentwicklungsplanung ausrichten. Digitale Netze und Geräte mit Wartung, Support und Ersatzbeschaffung planen. Berufliche Bildung mit der regionalen Wirtschaft verbinden.
Zuständigkeit: Der Landkreis verantwortet seine Schulträgeraufgaben. Schulen und Bildungsbehörden werden entsprechend ihren Aufgaben einbezogen; Ausstattung und pädagogische Verantwortung sind zu unterscheiden.
Kosten und Abwägung: Geräte allein schaffen keinen dauerhaften Nutzen. Bau, Energie, IT-Betrieb und Ersatz müssen finanzierbar bleiben.
Erster Schritt: Baulichen und digitalen Bedarf mit Betriebskosten und Prioritäten in einer Investitionsübersicht darstellen.
5. Gesundheitsversorgung unterstützen
Ziel: Ambulante, stationäre und notfallmedizinische Versorgung bleibt verlässlich erreichbar.
Maßnahmen: Die Entwicklung der Klinik Kitzinger Land transparent an Versorgungsbedarf, medizinischer Qualität und den Rahmenbedingungen der Krankenhausreform ausrichten. Ambulante Angebote und Rettungswege einbeziehen. Finanzielle Belastungen und Alternativen nachvollziehbar darstellen.
Zuständigkeit: Landkreis, Klinikverantwortliche, ambulante Akteure und weitere zuständige Stellen stimmen Beiträge ab. Der Landkreis steuert nicht allein die gesamte Versorgung.
Kosten und Abwägung: Versorgungssicherheit und Tragfähigkeit gemeinsam beurteilen. Ungeprüfte Dauerdefizite belasten andere Kreisaufgaben; reine Kostensicht kann medizinische Bedürfnisse übergehen.
Erster Schritt: Versorgungsziele und finanzielle Auswirkungen unterschiedlicher Strukturmöglichkeiten vergleichbar darstellen.
6. Verwaltung digitalisieren
Ziel: Bürger und Unternehmen können mehr Verwaltungsleistungen vollständig digital erledigen.
Maßnahmen: Antrag, Nachweise, Rückfragen, Bezahlung und Bescheid als zusammenhängenden Prozess entwickeln. Digitale Identifikation und Bezahlung ausbauen sowie Zuständigkeiten und Bearbeitungsstände verständlich machen. Mehrfacherhebung von Daten soweit möglich verringern.
Zuständigkeit: Das Landratsamt entwickelt eigene Verfahren mit IT-Dienstleistern und beteiligten Behörden weiter. Vorgaben anderer Ebenen sind zu berücksichtigen.
Kosten und Abwägung: Datenschutz, IT-Sicherheit und persönliche Zugänge bleiben erforderlich. Software, Schulung und Betrieb müssen tatsächlichen Nutzen schaffen.
Erster Schritt: Häufige Verfahren nach Vereinfachungspotenzial priorisieren und eines einschließlich interner Bearbeitung vollständig durchplanen.
4. Finanzen und Sicherheit
Warum
Gemeinsame Infrastruktur, soziale Aufgaben und Sicherheit brauchen verlässliche Finanzierung. Die Kreisumlage verbindet die finanziellen Möglichkeiten des Landkreises mit denen seiner Gemeinden. Vorsorge benötigt abgestimmte Strukturen.
Wie
Mittelfristig planen, Investitionen ordnen und laufende Kosten offenlegen. Katastrophenschutz an konkreten Risiken und notwendigen Aufgaben ausrichten. Gemeinsam vorbereitete Abläufe sollen im Ernstfall zuverlässig funktionieren.
Was wir konkret anstreben
2. Kommunale Finanzen sichern
Ziel: Landkreis und Gemeinden behalten Spielraum für ihre notwendigen Aufgaben.
Maßnahmen: Mittelfristige Planung, Investitionsprioritäten und Kostencontrolling stärken. Gemeinsame Beschaffung und geeignete Kooperationen prüfen. Belastung durch die Kreisumlage einbeziehen.
Zuständigkeit: Kreisverwaltung bereitet den Haushalt vor; der Kreistag entscheidet. Auswirkungen auf Gemeinden früh berücksichtigen.
Kosten und Abwägung: Geringere Umlage und zusätzliche Leistungen lassen sich nicht unabhängig versprechen. Einsparungen dürfen notwendige Infrastruktur und Pflichtaufgaben nicht aushöhlen.
Erster Schritt: Größere Investitionen und laufende Ausgaben mit ihrer Wirkung auf Kreishaushalt und Gemeinden vergleichbar darstellen.
8. Katastrophenschutz stärken
Ziel: Hilfe bei Großschadenslagen kann schnell und koordiniert organisiert werden.
Maßnahmen: Führungsstrukturen, Warnsysteme, Notfalllogistik und notwendige Ausstattung verlässlich planen. Notfallpläne aktualisieren und mit Gemeinden und Hilfsorganisationen üben. Das Feuerwehrzentrum sowie notwendige Fahrzeuge und Atemschutztechnik bedarfsgerecht umsetzen.
Zuständigkeit: Der Landkreis koordiniert seine Aufgaben mit Gemeinden, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und weiteren Beteiligten.
Kosten und Abwägung: Beschaffung, Wartung, Lagerung und Ausbildung gemeinsam berücksichtigen. Umfang der Vorsorge aus Risikoanalysen ableiten.
Erster Schritt: Planungs- und Ausstattungsstand überprüfen und wichtige Lücken mit Folgekosten in einer gemeinsamen Prioritätenliste erfassen.